Dienstag, 6. Januar 2009
     
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Kein Bock aufs Gassi-Gehen: In Buenos Aires helfen Hundeausführer


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KORR-Ausland/Argentinien/Gesellschaft/Tiere/

Von Naomi Conrad, dpa

Buenos Aires (dpa) - Wer in Buenos Aires in einem Park spazieren geht, der kommt nicht um sie herum: die wuseligen Hundemeuten, zehn oder sogar zwanzig auf einmal, an der Leine geführt von einem oftmals gestressten Hundeausführer, einem sogenannten Paseaperros. In der argentinischen Hauptstadt ist es zwar chic, sich einen Hund zu halten, je größer desto besser, aber mit ihm dauernd Gassi zu gehen, meist weniger. Und so ziehen die Paseaperros mit ihren kläffenden Rudeln durch die Straßen, um den gut betuchten Porteños, den Bewohnern von Buenos Aires, diese lästige Arbeit abzunehmen.

Etwa 200 registrierte Hundeausführer, ein beliebter Nebenjob für Jugendliche und Studenten, gebe es in Buenos Aires, sagt Alberto Términ, der im Umweltministerium für die Straßenreinigung zuständig ist. Die tatsächliche Zahl liegt wesentlich höher, schätzungsweise bei 1000. «Die meisten registrieren sich erst gar nicht», sagt Términ, denn Hundeausführer dürfen eigentlich nur mit bis zu acht Hunden gleichzeitig Gassi gehen. Die meisten sind aber mit viel mehr Tieren unterwegs, weil sie dann ja auch mehr Geld verdienen.

Auf ihrem Weg durch die Straßen und in den öffentlichen Parks lassen die Hunde oftmals ein kleines Andenken zurück: Laut Gesetz muss Hundedreck aufgehoben und entsorgt werden. «Aber daran halten sich viele Paseaperros nicht, und die Herrchen meist auch nicht», klagt Términ. Wird das Herrchen oder das Ersatzherrchen dabei erwischt, droht theoretisch eine Geldstrafe von bis zu 200 Pesos, umgerechnet etwa 40 Euro. Doch kann sich niemand daran erinnern, jemals einen Polizisten bei der Ausstellung eines Strafzettels für die Zurücklassung von Hundehaufen gesehen zu haben. Dafür aber jede Menge fluchende Passanten, die ihre Sohlen am Bordstein von der klebrigen Masse zu säubern versuchen.

Ganze acht Hunde-Inspektoren sind im Straßeneinsatz, um in einer Metropole mit 13 Millionen Menschen und schätzungsweise 500 000 Hunden die Einhaltung der Gesetze zu überwachen. Die Inspektoren würden außerdem oft gerufen, um sich um die vielen streunenden Hunde zu kümmern, die gelegentlich auch Menschen angreifen. «Aber wenn unsere Leute dann eintreffen, sind die wilden Hunde sowieso schon wieder verschwunden», sagt Términ achselzuckend. Eigentlich sei das auch gar nicht Sache der Regierung.

Gloria Mirta vom argentinischen Tierschutzbund MAPA, einem privaten Zusammenschluss von Tierärzten, findet das unmöglich: «Die Regierung kümmert sich einen Dreck um die streunenden Hunde, und Geld gibt es auch keins», beklagt sie. Fast 10 000 Hunde und noch mal so viele Katzen treiben sich auf den Straßen und Dächern herum, ernähren sich aus den Mülltüten und lungern vor Imbissbuden herum, schätzt MAPA. Als im April dieses Jahres jedoch ein Jugendlicher von einer Katze mit Tollwut angesteckt wurde, handelte die Regierung und startete eine Impfkampagne. Tollwut sei in weiten Teilen Argentiniens verbreitet, vor allem in der Region Salta im Norden, wo sie von Fledermäusen, Vampiros auf Spanisch, verbreitet werde, sagt sie.

Die Impfkampagne muss wohl auch die Paseaperros etwas beruhigt haben. Denn ein Rudel Hunde mit harschen Kommandos im Zaum zu halten, ist schon im Normalfall keine leichte Sache, ohne sich auch noch Sorgen um Tollwut machen zu müssen. Und so werden die Hundeausführer wohl auch weiterhin mit Kopfhörern im Ohr als Schutz gegen das ständige Gebelle ihrer Meute das Stadtbild von Buenos Aires prägen. Und die Gehwege.

dpa nc/ro xx a3 sm



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