Dienstag, 6. Januar 2009
     
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Die Eroberung Spaniens durch die Mauren




Im Sommer des Jahres 711 überquerte eine 7000 Mann starke Flotte junger Berber, die Meerenge von Gibraltar und landete in einem kleinen Ort an der spanischen Küste, dem heutigen Tarifa. Einen Monat später folgten weitere 6000 Mann. Dies sollte der Beginn des maurischen Feldzuges zur Eroberung Spaniens sein.

Die Mauren, ein muslimisches Berbervolk in Nordafrika, drangen in den folgenden Jahren immer weiter in westgotisch-christlichen Reiche des heutigen Spanien und Portugal ein. Nach einem 8-jährigen Feldzug brachten sie endgültig nahezu die gesamte Iberische Halbinsel unter maurisch-islamische Herrschaft. Diese Herrschaft sollte mehrere Jahrhunderte dauern.

Nach dem Sieg der Mauren folgte eine jahrzehntelang andauernde Umstrukturierung, von der westgotisch-christlich zur islamischen Gesellschaft. Während dieses Prozesses, legten die Mauren anfänglich eine gewisse Toleranz an den Tag, bis die ersten Vertreibungsversuche von christlicher Seite unternommen wurden.
So wurden den Christen erlaubt ihre Religion zu behalten, sofern sie sich bereit erklärten, eine entsprechende Steuer für Nichtmuslime zu zahlen. Dennoch konvertierten viele, um dieser Steuer zu entgehen. Auch blieben die Kirchen und Synagogen des Landes von der Zerstörung verschont. Daneben entstanden Moscheen.

Die muslimische Herrschaft bescherte dem Land sowohl eine wirtschaftliche als auch kulturelle Blütezeit, denn hier nahm eine junge, dynamische, noch unverbrauchte Hochkultur Besitz einer noch wenig entwickelten Region. So verfügten die Araber z.B. über in ganz Europa einzigartige Kenntnisse bezüglich geeigneter Bewässerungssysteme der Äcker. Auch im Handel und Handwerk wurden die Besatzer zu Lehrmeistern der Einheimischen.

Cordoba, zuvor eine unscheinbare Stadt, blühte unter ihrer Herrschaft auf und wurde Zentrum maurischer Macht und Kultur. Ein bedeutendes Zeugnis dieser Kultur ist bis heute "La Mezquita", die Moschee in Cordoba, die einst die Hauptmoschee des Islams in der westlichen Welt war. In Granada entstand die Alhambra, eine architektonische Meisterleistung, die noch heute tausende Touristen jedes Jahr anlockt.

Dennoch waren die Jahrhunderte der Maurenherrschaft nicht nur von Glanz, Schönheit und intellektuellen Fortschritts geprägt. Es wurde ständig gekämpft und Krieg geführt, bei dem nicht wenige ihr Leben verloren.
Das gesellschaftliche Leben war unter den Mauren nach Religion und Nationalität geordnet. Auf der obersten Stufe der Hierarchie standen natürlich die Araber und Berber. Danach folgte die zum Islam konvertierte hispanische Bevölkerung.

Zu den Schlusslichtern gehörten Juden und Christen. Noch weiter unten befanden sich Schwarzafrikaner und gefangene Christen, die zumeist als Sklaven gehandelt wurden.

Bereits im Jahre 722, also 11 Jahre nach der Eroberung, begann die Rückeroberung (span.: Reconquista) durch die Nachkommen des Westgotenreiches. Ausgehend von Asturien, Galicien und dem Baskenland, die einzigen nicht eroberten und damit noch christlichen Regionen Spaniens, begann ein 770 Jahre währender Kampf, bis zur vollständigen Rückeroberung.

Die Reconquista war für die Christen der 1. Heilige Krieg, der vorerst im 13. Jahrhundert endete. Zwar konnte das Bündnis christlicher Könige die Mauren aus Zentralspanien vertreiben, Granada jedoch wurde von den Muslimen erfolgreich verteidigt. Es sollte für annähernd 300 Jahre maurisches Königreich bleiben.

Erst 1492, nach weiteren 11 Jahren erbitternden Kampfes, konnten die Truppen des neuen christlichen Spaniens die letzte maurische Bastion zurückerobern. Nach fast 800 Jahren Krieg war Spanien wieder ein vereinigtes christliches Land.
Die Legende überliefert, dass der entmachtete Maurenkönig Granadas sich in Richtung Mittelmeer aufmachte, auf einer Anhöhe zurück auf sein ehemaliges Reich blickte und er vor Trauer zu weinen begann. Daher heißt diese Stelle bis heute "El Suspiro del Mauro" der Seufzer des Mauren.

Nach der Vertreibung der Mauren wurde der Kampf gegen ihre Kultur weitergeführt, was unter anderem zur Folge hatte, dass Granada wieder zu der unbedeutenden Stadt wurde, die sie vor der Eroberung durch die Mauren war. Lediglich die maurischen Gebäude, die die Spanier als Siegestrophäen herzeigten, wurden vor der Zerstörung bewahrt.

Die Eroberung durch die Mauren hat überall in Spanien ihre Spuren hinterlassen. Vor allem aber in Andalusien trifft man allerorts auf maurisches Kulturerbe - Ob nun architektonische Elemente, orientalische Einflüsse in der spanischen Musik oder wieder belebte alte arabische Gerichte.

Die Reconquista liefert auch den historischen Hintergrund, für eins der prächtigsten Fiestas Spaniens "Das Fest der "Moros y Cristianos", das in ganz Spanien je nach Ort von Februar bis Dezember gefeiert wird und meist mehrere Tage andauert.
Eine Hochburg dieser Fiesta ist vor allem die Region Valencia. Nachgestellt werden die Eroberung und Rückeroberung Spaniens. Sofern die Fiesta in einem Küstenort stattfindet, wird der Überfall der Mauren am Strand mit lautem Getöse nachgestellt.

Legendär sind vor allem die festlichen und farbenprächtigen Umzüge, die das ganze Jahr über von den verschiedenen Festausschüssen organisiert werden. Vor allem die Kostüme sind es, die beeindrucken " mittelalterliche Gewänder, Rüstungen, arabische Kostüme, Säbelgeklapper und atemberaubender Kopfschmuck machen dieses Fest zu einem einmaligen Erlebnis.

Zuweilen begleiten die Paraden sogar Elefanten oder Kamele. Pferde hingegen sind obligatorisch. Die Orchester, die jeden Festausschuss, während der Umzüge mit schwerer, dramatischer Musik begleiten, sorgen zusätzlich für Gänsehaut.

Der Abschluss und Höhepunkt der Fiestas findet oft an einer alten Burg statt, an der sich der maurische Herrscher ergibt.
Böllerschüsse und jede Menge Feuerwerke machen diese Fiesta auch zu einem ohrenbetäubenden Erlebnis. Wer an der Costa Blanca lebt oder Urlaub macht, sollte sich diesen Event nicht entgehen lassen.



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