Dienstag, 6. Januar 2009
     
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Über den Wolken zu Papa: Angebote für alleinreisende Kinder




Mama wohnt in Hamburg, Papa in Malaga oder Madrid. Regelmäßige Besuche werden für Kinder dann schwierig. Aber mittlerweile muss die Mutter gar nicht mehr unbedingt mitfliegen.


Mama wohnt in Hamburg, Papa in Frankfurt. In Zeiten der Patchwork-Familie ist das keine Seltenheit mehr. Regelmäßige Besuche beim Vater werden dann schwierig, denn nicht immer hat die Mutter Zeit und Geld, ihr Kind auf der Reise zu begleiten. Das muss sie in vielen Fällen aber auch nicht:

Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn bieten eine Betreuung für alleinreisende Kinder an. Bei der Bahn ist dieser Service auf einige Hauptstrecken begrenzt- bei den Airlines steht den Kindern das ganze Streckennetz zur Verfügung. Und so ist es auch kein Problem, Kinder allein zur Oma nach Spanien zu schicken.

Deutschlandweit leben knapp 1,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren bei nur einem Elternteil, meist der Mutter. Manche von ihnen haben Glück, und der Vater wohnt in der Nähe. Andere müssen quer durch die Republik reisen, um ihn zu sehen. Das Kind allein in den Flieger oder einen Zug zu setzen, ist problematisch. Denn Eltern haben eine Aufsichtspflicht. «Sie haften gegenüber dem Kind, wenn ihm etwas passiert», erklärt Ingrid Groß, Fachanwältin für Familienrecht in Augsburg. Zwar gebe es keine Altersvorgaben, ab wann ein Kind alleine reisen kann. «Bei einem Achtjährigen hätte ich aber schon Bedenken.»

Eine Lösung ist, die Kinder unter Aufsicht reisen zu lassen. Die Deutsche Bahn nennt ihr Angebot «Kids on Tour»: Kinder zwischen 6 und 15 Jahren können auf ausgewählten Strecken ohne ihre Eltern reisen. Mitarbeiter der Bahnhofsmission nehmen die Kinder dort oder am Service-Point entgegen, fahren mit ihnen in einem reservierten Abteil und übergeben sie am Zielbahnhof dem anderen Elternteil.

Wer das Kind abholt, muss vorher festgelegt werden. Die Betreuer lassen sich den Ausweis des Abholers zeigen. So soll verhindert werden, dass ein Kind aus Versehen in falsche Hände gerät. «Kids on Tour» muss spätestens sieben Werktage vor der Reise im Internet oder per Telefon gebucht werden. Der Service kostet 25 Euro pro Strecke, dazu kommt die Fahrkarte. Das Angebot wird laut der Bahn gut angenommen. Bis Ende 2006 seien mehr als 5000 Kinder damit gereist.

59.000 Kinder allein unterwegs

Die Lufthansa zählte dagegen allein in 2006 rund 59.000 Kinder, die ohne einen Erwachsenen reisten - unter ihnen einige Vielflieger. «Wir haben zum Beispiel einen sechsjährigen Jungen, der alle vier Wochen zu seinem Vater fliegt», sagt Jan Bärwalde von der Lufthansa in Frankfurt. Seit 40 Jahren bietet die Airline eine Betreuung für alleinreisende Kinder an.

Der Ablauf ist bei allen Fluggesellschaften ähnlich: Die Elternmelden ein alleinreisendes Kind bis spätestens ein oder zwei Tage vor Abflug bei der Airline an. Zu diesem Zeitpunkt, spätestens aber beim Check-In am Reisetag muss ein Formular ausgefüllt werden, in dem Name und Alter des Kindes und die Kontaktdaten der Eltern oder anderer Begleitpersonen eingetragen werden. Germanwings verlangt sogar, dass sämtliche Sorgeberechtigten dieses Formular unterschreiben.

Gut zu wissen ist für die Airlines, ob das Kind schon einmal geflogen ist und möglicherweise unter Flugangst leidet. «Dann können die Flugbegleiter darauf eingehen und dem Kind erklären, was gerade passiert», sagt Angelika Schwaff von Germanwings in Köln.

Bei Germanwings darf die Begleitperson mit dem Kind durch den Sicherheits-Check bis zum Flugsteig gehen. Erst dort wird es von einem Servicemitarbeiter entgegengenommen und ins Flugzeug gebracht. Doch das ist die Ausnahme. In der Regel kommen die Kinder schon nach dem Einchecken in die Obhut der Betreuer. Die begleiten sie durch den Sicherheits-Check zum Gate und übergeben sie dort an die Flugbegleiter. Die bringen die jungen Reisenden meist vor allen anderen Fluggästen in den Flieger.

Für die Kinder sind bestimmte Sitzreihen reserviert, damit die Flugbegleiter ein Auge auf sie haben können. Spielsachen, Malzeug und Kinderfilme sollen Langeweile vertreiben. Auf einen Besuch im Cockpit müssen die Kinder jedoch verzichten: «Aus Sicherheitsgründen muss die Cockpit-Tür während des Fluges geschlossen bleiben», sagt Bärwalde.

Muss das Kind umsteigen, wird es am Flughafen von einem Mitarbeiter in Empfang genommen und zum Abfluggate begleitet. In Frankfurt hat die Lufthansa für Kinder eine Lounge eingerichtet - lange Wartezeiten können sie dort bei Tischfußball, Kinderfilmen und Computerspielen überbrücken.

Am Zielflughafen wird das Kind zur Gepäckausgabe und dann zum Ausgang begleitet. Steht dort wider Erwarten kein Abholer, etwa weil der Vater im Stau steckt, ist das kein Problem: Die Betreuer rufen den Abholer an und warten so lange mit dem Kind, bis dieser erscheint. Rund 25 bis 30 Euro pro Strecke kostet diese Betreuung - bei Condor entfällt der Ticket-Kinderpreisnachlass von 25 Prozent.

Als alleinreisende Kinder angemeldet werden können in der Regel Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Lufthansa, Air Berlin und Condor nehmen auch ältere Kinder in ihre Obhut - wenn die Eltern das ausdrücklich wünschen. «Wir raten den Eltern aber, die Jugendlichen vorher zu fragen», sagt Bärwalde. «Denn manchen ist es überhaupt nicht recht, wenn sie einen Betreuer bekommen.»

Bei Germanwings und Tuifly fliegen Kinder ab12 beziehungsweise 13 Jahren dann tatsächlich allein. Ein Problem ist das nicht, findet Ingrid Groß. «Wenn das Kind eingewiesen wurde oder das schon öfter gemacht hat, schafft es eine solche Strecke auch.»

Informationen:

Air Berlin (Tel.: 01805/73 78 00 für 14 Cent pro Minute);
Germanwings (Tel.: 0900/191 91 00 für 99 Cent pro Minute);
TUIfly (Tel.: 01805/75 75 10 für 14 Cent pro Minute);
Condor (Tel.: 01805/7677 57 für 14 Cent pro Minute);
Lufthansa (Tel.: 069/69 69 44 33);



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