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Die Flagge Kataloniens (Senyera) |

Spanien ist mehr als nur Mallorca, Malaga oder die Costa Blanca. Spanien ist Vielfalt und unterschiedlichste Kulturen. Am deutlichsten wird dies in Katalonien, der Region im Nordosten Spaniens. Landschaftliche, kulturelle und sprachliche Vielfalt findet der Besucher dort – und auch die Kultur wird groß geschrieben.
Die Unterschiede sind dabei kulturell und historisch verwurzelt. Spanien definiert sich auf Grund seiner Geschichte als ein Land, in dem die jeweiligen Regionen ein hohes Maß an Autonomie genießen. Es gibt drei „historische autonome Gemeinschaften“ mit besonderen Rechten, dazu gehören das Baskenland, Galicien und eben Katalonien.
Um das spanische Königreich, seine gesellschaftliche Struktur und seine Menschen verstehen, lohnt ein Blick auf die Regionen. Eine der bekanntesten ist dabei das im In- und Ausland beliebte Katalonien (katalan. Catalunya, span. Cataluña) mit seiner Metropole Barcelona.
Sprachwirrwarr zwischen Costa Brava und Pyrenäen.
Von den Pyrenäen mit der Formation von Montserrat, den inaktiven Vulkane von Garrotxa bis zur Costa Brava und bis in den Penedes im Süden Barcelonas sowie einem weiten Flachland im Zentrum der Region kann man in Katalonien die ganze Bandbreite an touristischen und kulinarischen Vorzüge genießen. Die abwechslungsreiche Landschaft, die opulenten Gegensätze der Natur, die gastfreundlichen und offenherzigen Menschen, verträumte kleine Häfen mit ihren Fischern, einladende Spezialitätenrestaurants und nicht zuletzt die einzigartige Architektur macht einen Besuch Kataloniens zu einem großartigen Erlebnis. Man kann Ski fahren, wandern, reiten, radeln und wer dem einfachen Strandurlaub nicht abgeneigt ist, der wird an der Costa Brava und Costa Dorada herrliche Buchten und romantische Strände finden.
Katalonien befindet sich im Nordosten Spaniens, im Norden liegt es an der Grenze zu Frankreich, im Osten an der Mittelmeerküste. Katalonien hat eine Fläche von 32.091 Quadratkilometern, ca. 7,2 Millionen Einwohner (Stand: 2007) und umfasst die vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Lleida und Girona. Parallel dazu gibt es eine Unterteilung in insgesamt 41 Kreise. Die Regierung, die »Generalitat de Catalunya«, ist derzeit in 13 Ministerien gegliedert. Die am Mittelmeer gelegene Millionen-Metroploe Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens. Die katalanische Flagge ist gelb mit vier roten Streifen (siehe oben).
Die katalanische „Nationalhymne“ Els Segadors greift im Text einen Aufstand aus Protest gegen die kastilischen Machthaber im 17. Jahrhundert auf. Seit dieser Zeit wird am 11. September der „Nationalfeiertag“ gefeiert, an dem 1714 die Truppen des bourbonischen Thronprätendenten Philipp V. während des spanischen Erbfolgekrieges Barcelona eingenommen hatten. Die Katalanen sehen den 11. September als Tag, an dem sie ihre Unabhängigkeit verloren. Heute gedenkt man an dem Tag einerseits der getöteten katalanischen Soldaten, demonstriert andererseits aber stolz, dass es die katalanische Sprache und Kultur trotz der Repressalien bis heute gibt.
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Die offizielle Nationalhymne Kataloniens (seit 1931) |

Die offiziellen Sprachen Kataloniens sind Katalanisch (Catalán) und Kastilisch (Spanisch). Natürlich beherrscht jeder Katalane die spanische Sprache aber Katalanisch ist fester Bestandteil der kulturellen Identität Kataloniens und wird in der Schule von klein auf gelehrt. Erst nach dem Tod des spanischen Diktators Franco 1975 durften die Katalanen in aller Öffentlichkeit wieder ihre Sprache sprechen und ihr Brauchtum pflegen.
Während der Zeit der Diktatur war all das verboten und darin liegt auch ein elementarer Grund für das Unabhängigkeitsstreben und das stets offen bekundete Misstrauen gegenüber den nationalen Machthabern in Madrid. Aufgrund der historischen, sprachlichen und kulturellen Unterschiede zum übrigen Spanien sind viele Katalanen der Ansicht, dass Katalonien eine eigene Nation sei.
Erst seit 1978 besitzt Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Ebenso wie das Baskenland oder Galicien hat Katalonien ein hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung. Unter anderem verfügt das Land über eine eigene Polizeieinheit, die Mossos d'Esquadra, die teils die Aufgaben der spanischen Polizei auf katalanischem Gebiet übernehmen.
Auch in der Bildungs-, der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik verfügt Katalonien über weitreichende Kompetenzen. 1979 erhielt Katalonien ein neues Autonomiestatut, wodurch die Kompetenzen und auch die Finanzierung der Region immer weiter ausgebaut wurde, meist auf Druck der national-katalanischen Gruppierungen. Diese streben die Schaffung eines unabhängigen Staates an. Bislang hat noch jede spanische Regierung eine Unabhängigkeit Kataloniens abgelehnt. Im Unterschied zu den Basken neigen die Katalanen bislang nicht dazu ihre Unabhängigkeitsbestrebungen mittels Gewalt durchzusetzen. Verbrennungen von Bildern von Mitgliedern und Symbolen des spanischen Königshauses auf Demonstrationen gehören noch zum Äußersten. Andere öffentliche symbolische Aktionen richten sich gegen die Hauptstadt Madrid und deren nationale Politik.
Die wirtschaftliche Bedeutung Kataloniens sorgt für selbstbewusstes Auftreten im Umgang mit der nationalen Regierung. Ein häufiger Streitpunkt ist die Finanzierung und gerechte Verteilung des Staatshaushalts. Viele Katalanen sehen nicht ein, dass sie die ärmeren Regionen des Landes „durchfüttern“ sollen, ein Argument, das wir in Deutschland vor allem von Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg im Zusammenhang mit dem Länderfinanzausgleich kennen.
Touristen-Hochburg mit hippem Flair Mit rund 15 Millionen Besuchern jährlich hat Katalonien die meisten Touristen Spaniens. Die Basis dafür bildet natürlich der Küstentourismus, daneben lockt das Land aber auch mit künstlerischen, gastronomischen und kulturellen Angeboten. Der Tourismussektor ist allerdings nur ein kleiner Teil dessen, was den besonderen Stellenwert Kataloniens für Spanien insgesamt ausmacht. Denn Katalonien ist die wichtigste Industrieregion des Landes, in dem rund ein Viertel der gesamten Industrieproduktion Spaniens erbracht wird. In einer der am frühesten industrialisierten Regionen Europas sind es heutzutage vor allem die Maschinen- und Kfz-Produktion, die Chemie- und Textilindustrie sowie die Bauwirtschaft, die den wirtschaftlichen Motor ankurbeln.
Zu den besonders empfehlenswerten Sehenswürdigkeiten Kataloniens gehört natürlich die Hauptstadt Barcelona mit seinem alten gotischen Viertel und den vielen Bauten des genialen Gaudi. Prächtige Bürgerhäuser erheben sich am Passeig de Gracia. Berühmt für die Häuser des Baumeisters Antoni Gaudí, dem Architekten des Modernisme, der katalanischen Variante des Jugendstils. Eines der schönsten Bauwerke ist die Casa Batilló – gebaut in reinstem katalanischer Jugendstil.

Wer den Pulsschlag des katalanischen Lebensgefühls spüren will, wird dies vor allem auf der Rambla, der Flaniermeile und dem Zentrum Barcelonas finden. Hier bieten Blumenhändler prachtvolle Gestecke an und Vogelhändler präsentieren ihre Singvögel. Nahe der Rambla liegt das Museum für Moderne Kunst (MACBA). Ein Bau des Stararchitekten Richard Meier, das mitten ins ärmliche Viertel Raval errichtet wurde.Katalonien und besonders Barcelona ist für seine großartigen und renommierten Künstler bekannt. Die Schriftsteller Vásquez Montalbán, Juan Goytisolo oder Carlos Ruiz Zafón und Künstler wie Juan Miró, Salvador Dalí oder Antoni Tàpies haben ihre Wurzeln in der Region gehabt. Der hohe kulturelle Stellenwert wird nicht zuletzt durch internationale Ehrungen wie bei der Frankfurter Buchmesse 2007 deutlich.
Bereits der Gast-Auftritt der katalanischen Kultur auf der Buchmesse im mexikanischen Guadalajara im Jahr 2004 wurde in höchsten Töne gelobt und weckte große Erwartungen an die Präsentation in Frankfurt. Mit Unterstützung der spanischen Regierung und der katalanischen Regionalregierung ist die schwerpunktmäßige Präsentation der katalanischen Kultur in diesem Jahr ein großer Erfolg gewesen.
Barcelona ist eine Kulturmetropole, die mit ihren ausgeflippten Bars und Kneipen, den vielen Modeläden, den belebten Gassen und den vielen Theatern und Museen Menschen aus aller Welt anzieht. Nicht zuletzt bei jungen Leuten gilt Barcelona als Stadt die immer ein Besuch Wert ist.
Mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 hatte die Millionen-Metropole Barcelona die Chance sich der ganzen Welt zu präsentieren. Entsprechend groß waren die Investitionen und Anstrengungen der Verantwortlichen für dieses gigantische Ereignis, das natürlich ein einzigartiges Prestigeobjekt für die ehrgeizigen Katalanen war. Zwei Milliarden TV-Zuschauer und 100.000 Menschen im Stadion von Barcelona erlebten eine der bis dahin prachtvollsten Eröffnungsfeiern bei Olympischen Sommerspielen.
Neben dem anspruchsvollen kulturellen Rahmenprogramm fand die architektonische Neugestaltung von Stadtbezirken und Wettkampfstätten großes Lob. Die Modernisierung des neoklassizistischen Olympiastadion auf dem Montjuic-Berg und des Velodroms gelten als besonders gelungen. Den Palau dí Esports Sant Jordi (1700 Sitzplätze) - benannt nach dem katalanischen Nationalheiligen - ließen die Organisatoren in unmittelbarer Nähe des Schwimmbades neu errichten. Durch Vergabe der Spiele bekam das Hafenviertel Barcelonas ein völlig neues Gesicht. Ein Geheimtipp für Gourmets sind die vielen Fischrestaurants an der Promenade, wo besonders die auf traditionelle Art zubereiteten Tapas oder Paella zuempfehlen sind.

Barcelona – Gaudi-Stadt und Fußball-Tempel
Der weltweite Bekanntheitsgrad der Stadt wird insbesondere durch den Traditionsverein FC Barcelona gesteigert. Spieler wie Johann Cryuff, Maradonna, Bernd Schuster und heute Ronaldinho haben dem katalanischen Verein viele Titel, aber auch Ansehen und Fans im Ausland gebracht. Mit rund 156.000 Mitgliedern ist der FC Barcelona einer der bekanntesten Sportvereine der Welt. Das heimische Stadion Camp Nou ist mit 98.600 Plätzen die größte reine Fußballarena Europas. Der 1899 gegründete Verein gewann 18 mal die spanische Fußballmeisterschaft und 24 mal den Copa del Rey, den nationalen Pokalwettbewerb. Zweimal konnte man den Europapokal der Landesmeister gewinnen. Neben Real Madrid und Athletico Bilbao ist der FC Barcelona der einzige Fußballklub in Spanien, der noch nie aus der ersten Liga, der Primera Divisíon, abgestiegen ist.
Zudem katalanischen Traditionsverein gehören aber auch noch viele andere Sportabteilungen, die auf ihrem Gebiet ebenso große Erfolge vorweisen können. So ist das Handball-Team der Männer mit sieben Titel in der EHF Champions League Rekordmeister in Europa, auch die Basketballabteilung des FC Barcelona spielt unter den besten Teams in Europa stets eine herausragende Rolle.
Wer die noch immer lebendige Kultur und Geschichte Kataloniens hautnah erleben möchte und Barcelona satt hat, dem sei eine Fahrt ins Örtchen Girona ans Herz gelegt. Mit knapp 80.000 Einwohnern bietet Girona einen Kontrast zur hektischen und unübersichtlichen Metropole Barcelona. Die Stadt im Zentrum von Katalonien gewinnt seinen Reiz eben durch das Enge und Verwinkelte der kleinen Gassen. In Girona kommen die drei großen monoteistischen Weltreligionen zusammen, hier treffen sich Okzident und Orient. Bei einem Spaziergang durch den Ort trifft man fast an jeder Ecke auf historische Zeugnisse, die dokumentieren, wie Menschen unterschiedlichen Glaubens jahrhundertelang nebeneinander lebten.
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten Gironas gehört zweifelsohne die Kathedrale, die einzige gotische Kirche dieser Größe in Europa. Im Innern des Gotteshauses gibt es unter anderem einen kunstvoll gestalteten Wandteppich aus dem 12. Jahrhundert zu bewundern, der in eindrucksvollen Bildern die Schöpfungsgeschichte darstellt.
Im jüdischen Viertel „El Call“ findet man noch ein komplett erhaltenes Stadtviertel, wie es einst von jüdischen Mitbürgern bewohnt wurde. Bei einem Spaziergang durch die restaurierten Gassen kann man das jüdische Leben der vergangenen Jahrhunderte nachempfinden. Einen Besuch sollte man auch dem auf den Ruinen der alten Synagoge errichteten jüdischen Museum abstatten, in dem die Geschichte der Juden in Girona dokumentiert ist.
In Girona sind auch frühe Spuren des Islam zu finden, der viele Jahrhunderte in Spanien die dominierende Religion war. Prächtige Bäder im maurischen Stil hatten die einstigen muslimischen Machthaber in Girona errichten lassen. Die Originalbäder wurden zwar zerstört, sind aber im 12. Jahrhundert von den Christen wieder aufgebaut worden.
Nur eine Autostunde von Girona entfernt lockt das kleine Bergdorf Besalú. Ein Besuch in dem Ort gleicht einer Reise ins Mittelalter. Bei einem Blick von den hohen Mauern der Befestigungsanlagen auf die zerklüftete See werden die alten Legenden von Seeräubern und Piraten, die man sich dort so erzählt, wieder lebendig.
Wenn man an diesem besonderen Ort einmal den Sonnenuntergang erlebt hat, möchte man gar nicht mehr fort...

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